Portrait

Wie ein Leuchtturm weist das weit ins Land hinein sichtbare Hochkamin auf die Brennerei Humbel in Stetten. Für die Brennerei hat das Stettener Wahrzeichen heute zwar seine ursprüngliche Funktion verloren, nicht aber für die Störche: Das Nest auf dem Kamin wird regelmässig bewohnt.

Der Grundstein zum heutigen Unternehmen legte Max Humbel 1918. Er betrieb in Stetten einen kleinen Bauernbetrieb, die Installation der Brennerei sollte das Einkommen aufbessern; das gelang ihm eindrücklich. 1961 konnte er den Betrieb unter seine Söhne aufteilen: Maximilian übernahm die Brennerei, Louis die Landwirtschaft und die Arbeit als Brenner im Betrieb seines Bruders. Das Sortiment entwickelte sich kontinuierlich. Das Herzstück wurden die traditionellen Schweizer Schnäpse, wie sie auch heute noch in der Classic-Linie angeboten werden.

Der nächste Generationenwechsel fand 1991 statt: Maximilian übergab Sohn Lorenz den Betrieb. Ein Glücksfall, dass auch in Louis’ Bauernbetrieb mit Sohn Beat ein Nachfolger bereit stand und dieser ebenfalls das Handwerk des Brenners erlernte. So arbeiten die Cousins Lorenz und Beat heute Hand in Hand. Sie formten aus dem traditionsreichen, soliden Betrieb ein innovatives Unternehmen, verankert in der Region, aktiv in der Welt.
Ein Meilenstein dieser Entwicklung war zweifellos die Lancierung sortenreiner Kirschbrände. Kirsch, der Schweizer Schnaps schlechthin, wurde traditionellerweise aus unterschiedlichen, mehr oder weniger wahllos zusammengemischten Sorten gebrannt. Fasziniert durch die Lektüre des Buches «Die Kirschensorten der deutschen Schweiz» von Dr. Fritz Kobelt machte sich Lorenz Humbel daran, den Geschmack der darin beschriebenen Vielfalt hunderter unterschiedlicher Sorten zu ergründen. Daraus entstand eine einzigartige Kollektion sortenreiner Kirschbrände und ein Bekenntnis: «Lorenz Humbel – Kirschbrenner aus Leidenschaft».
Die «Cuvée Lorenz Humbel» setzt einen vorläufigen Schlusspunkt: In dieser Komposition mit weit über hundert unterschiedlichen Varietäten dominiert nicht der einzelne Fruchtcharakter, hier klingt die Komplexität der Vielfalt an, die durch die Lagerung im Fass aus Kirschbaumholz akzentuiert wird.
Auf eigenen Fruchtplantagen in Stetten wachsen ausschliesslich zur Destillation bestimmte Sorten wie Holunder, Mirabelle, roter Williams und Muscat-bleu-Trauben. Der erstklassige Brennstoff kann in unmittelbarer Nähe verarbeitet werden. Der Um- und Neubau der Brennerei 2004 hat die Produktionsbedingungen markant verbessert, Produktionsort und Destillate sind noch attraktiver geworden.
Mit der Lancierung von Bio-Destillaten und Fair-Trade-Spirituosen wurden weitere neue Wege beschritten und Märkte eröffnet. «Bio» und «Fair Trade» meinen: Genuss auf jeden Fall, aber nicht um jeden Preis. Die Sorgfalt im Umgang mit der Natur und die Achtung gegenüber den Menschen sind ebenfalls wichtig.